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Kirchen in Lu (33): Pfarrer Frank Wolf fördert die Vielfalt in der protestantischen Kirche im Gemeindezentrum Pfingstweide
Von Ulrike Dansauer

Seit 2004 betreut Pfarrer Frank Wolf die protestantische Kirche im Gemeindezentrum Pfingstweide. In seinen Beruf ist er buchstäblich hineingewachsen.

„Mit sieben Jahren bekam ich einen Brief, in dem die Frage stand, ob ich mit zum Kindergottesdienst gehen will', erzählt er. Nach der Konfirmation wurde Wolf selbst in der Gemeinde aktiv. Später studierte er Theologie. „Ich hatte Mathe, Physik und Erdkunde als Leistungsfächer. Ich hätte also genauso gut Elektroingenieur werden können', erzählt er. Zumal ihm sein Vater in dieser Richtung viel beigebracht hätte. Aber: „Die Kirche braucht auch Leute wie mich, die Techniker sind beziehungsweise eine Handwerkerseele haben", ist er sich sicher.

Denn Kirche lebe von Vielfalt. Die spiegele sich nicht nur bei den Ehrenamtlichen wider, sondern auch beim Pfarrer und dessen Theologie: „Was die Gemeinde angeht, habe ich kein festgelegtes Bild. Aber die Gemeinde ist immer Gemeinschaft, die über einen Ort hinausgeht - wichtig ist der Glaube."

Die protestantischen Gläubigen in der Pfingstweide beschreibt Frank Wolf als offene Gemeinschaft. Das Engagement ihrer Mitglieder ist groß. Das sieht man am Beispiel des Kindergartens, der gerade komplett von außen und innen saniert wurde. „Wir sind stolz, dass das so gut gelingt und der Kindergarten sehr gut angenommen wird", freut sich Wolf. Sehr gern genutzt wird auch der Seniorenmittagstisch, der sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hat. Für vier Euro erhalten die Gäste, 30 kommen im Schnitt, jeden Mittwoch eine gutbürgerliche Mahlzeit mit Nachtisch und Getränken soviel sie möchten.

Der Förderverein unterstützt das vielfältige Leben der Gemeinde und finanziert einen Hausmeister. Vier Kleinkunstveranstaltungen pro Jahr werden organisiert: Kabarett, Rockkonzerte, Orgelmusik, Boogie Woogie, Abende mit Pfälzer Liedern und Chormusik. Die türkischen Jungen haben auf dem traditionellen Saiteninstrument Saz musiziert, so Wolf.

Mit der französischen Partnerstadt Lorient steht die Gemeinde in regelmäßigem Kontakt. Eine Gruppe, deren Mitglieder aus der gesamten Stadt kommen, bereitet den Austausch vor. Außerdem bringt eine ehemalige Französischlehrerin Interessenten die Sprache des Nachbarlandes bei. Über den Glauben tauschen sich die Partnerstädte aus unterschiedlichen Perspektiven aus.

„In Frankreich gibt es keine Kirchensteuer, aus der man den Erhalt der Kirche finanzieren könnte", erläutert Wolf. So sind die Kirchenvertreter auf französischer Seite schon froh, wenn das Dach dicht ist. „Das verleiht uns eine neue Sichtweise."

Aus dem Bastelkreis der Gemeinde ist mittlerweile ein Workshop geworden, der nicht nur die Dekoration für Feste, sondern auch Taufkerzen herstellt. Denn viele Familien können sich die teuren Kerzen nicht mehr leisten. In der Gemeinde erhalten sie sie schon ab sieben Euro. „Wenn es finanziell gar nicht geht, verschenken wir auch mal eine", sagt der Pfarrer. Der Frühgebetskreis jeden Dienstag um 8 Uhr zeigt dem Geistlichen, wie wichtig der Gemeinde der Gottesdienst ist. Mit den Katholiken zusammen bringt die Gemeinde eine Stadtteilzeitung heraus. „Sie steht allen offen. Wir haben vier rein kirchliche Seiten, der Rest wird von den Vereinen, Gruppen und Kreisen der Pfingstweide genutzt."

Die Gemeinde in der Pfingstweide sei „von unten her" entstanden, erzählt Pfarrer Frank Wolf. Nicht die Institution Kirche, sondern die Menschen hätten sich für ein eigenes Kirchengebäude in ihrem Stadtteil entschieden, ergänzt er. „Das prägt die Gemeinde heute noch."

Entscheidend sei auch gewesen, dass die BASF ihren Akademikern, die aus dem Ausland wiederkamen, eine Wohnung in der Pfingstweide anbot. „Sie haben in anderen Ländern erlebt, wie viel Heimat eine Gemeinde geben kann. Das hat sich auf die Pfingstweide übertragen." Viele der Heimkehrer sind bis heute in der Gemeinde geblieben.


Die Serie stellt Ludwigshafener Kirchen und ihre Gemeinden vor.


Zur Sache

Von der Baracke zur Kirche

Seit 1970 hat Pfingstweide eine eigene Pfarrstelle. Vorher war die Gemeinde an Edigheim angegliedert. Die Gläubigen feierten Gottesdienst in einer Baracke. Aber diese wurde bald zu klein, sodass eine Kirche gebaut werden sollte. Das Gotteshaus wurde zusammen mit dem Stadtteil Pfingstweide von dem Architekten Albert Speer geplant. 2006 feierte die Kirche ihr 30-jähriges Bestehen. „Der katholische und der evangelische Pfarrer haben in der Anfangszeit gemeinsam dafür gesorgt, dass ein Sportverein und andere Aktivitäten an den Start gingen", erzählt Frank Wolf. Insgesamt acht Pfarrer sind seitdem in der Pfingstweide tätig gewesen: Der erste Pfarrer war Traugott Hahn. Bis 2004 gab es zwei Pfarrstellen, seitdem ist es nur noch eine, da die Mitgliederzahl abnimmt. 2002/03 wurde das Gemeindezentrum Pfingstweide wegen eines Wasserschadens renoviert. (udn)




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Entdeckte seine Berufung schon als Kind (Foto: KUNZ)
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