Leute in Lu: Warum Thomas Heitz sich für Straßenkinder in Indien engagiert Von Sina Müller
Viele Jugendliche absolvieren solch einen Freiwilligendienst direkt nach dem Abi. Heitz war es jedoch wichtig, erst einmal berufliche Erfahrungen zu sammeln. Seit zwei Jahren arbeitet der 23-Jährige als Kinder- und Jugendkrankenpfleger in der BG-Klinik in Ludwigshafen. Außerdem ist er Pfadfinder und im Stadtteil auch kirchlich engagiert. Nach 14 Jahren wurde er als Ministrant von der Gemeinde der Sankt Albert-Kirche verabschiedet (wir berichteten am vergangenen Mittwoch im „Marktplatz LU").
„Dass ich Pfadfinder bin, ist auch ein Grund, warum ich weggehe. Da hat man die Aufgabe, die Welt besser zu verlassen, als man sie vorgefunden hat." Von seinem Freiwilligendienst erwartet er nicht zu viel: „Meine Aufgabe ist nicht, die Welt zu retten", sagt Heitz. „Ich will mehr einen entwicklungspolitischen Einblick bekommen."
Heitz engagiert sich im Projekt „Butterflies" der Hilfsorganisation Misereor. Der Ludwigshafener hilft im Gesundheitsbus. Dieser fährt durch Neu-Delhi und hält an festen Stationen, um Straßenkinder medizinisch zu betreuen, die sich keine Behandlung im Krankenhaus leisten können. „Die Kinder arbeiten als Müllsammler oder Schuhputzer, da passieren immer wieder kleine Verletzungen." Im Gesundheitsbus arbeiten indische Ärzte, Heitz geht ihnen zur Hand. „Die kommen auch ohne mich klar. Aber ich kann so einen guten Einblick in die Lebenssituation bekommen und sehen, was man noch tun kann, um dort zu helfen."
„Butterflies" wurde 1986 von Misereor gegründet und ist selbstständig organisiert. Das Konzept ist Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt Erste-Hilfe-Kurse für Straßenkinder, Unterricht in Hygiene und Gesundheitsvorsorge. Wer sich ein bisschen auskennt, kann dann selbst beim Bus mitarbeiten und Kurse für jüngere Kinder leiten. Neben dem Gesundheitsbus gibt es weitere Projekte, wie einen Schulbus mit Lehrern, der Kinder mobil unterrichtet, sowie Tanz- und Theater-Kurse. 1500 Kinder werden von 22 Mitarbeitern und Freiwilligen betreut.
Heitz kannte das Projekt von seinem bisherigen Engagement für Misereor. „Es entspricht genau meinen Interessen. Medizin, politische Rechte von Kindern, Theater und Musik: - das sind Dinge, die mir wichtig sind." Der Einsatzort weniger. „Ich hatte keine lebenslange Indienfaszination oder so. Eigentlich interessiert mich eher Südamerika. Aber jedes Land ist schön und interessant."
Heitz ist der erste Freiwillige, der so lange bleibt. Beworben hatte er sich zuvor bei „Weltwärts", einem Programm, das die Freiwilligendienste verschiedener Organisationen bündelt und ökologische und soziale Projekte vermittelt. Auf die zehn Monate hat er sich gut vorbereitet: „Über ,Weltwärts" hatte ich Seminare, in denen wir zum Beispiel auf die Begegnung mit Armut vorbereitet wurden." Mögliche Missverständnisse sieht Heitz in den indischen Sitten. „Es ist ungewöhnlich, wenn man dort mit 24 noch nicht verheiratet ist. Viele Ehen werden von den Eltern vereinbart, und das ist ganz normal. Auch sind Männer und Frauen nicht einfach miteinander befreundet so wie bei uns." In den Seminaren ging es auch darum, wie man in einem fremden Land mit sich umgeht. Es sei wichtig, nicht alles von sich aufzugeben, hat Heitz gelernt. Darum hat er auch sein Saxophon mitgenommen. „Das ist ein Teil von mir, das kann ich nicht hier lassen. Und vielleicht kann man über das Instrument in Kontakt mit den Jugendlichen kommen, zusammen musizieren."
Natürlich war Heitz vor dem Abflug auch aufgeregt, nicht zuletzt, weil er bisher kaum Hindi sprach. „Ich kann mich nur vorstellen auf Hindi. Mit den Kollegen kann ich Englisch sprechen, aber für die Straßenkinder sind wenigstens ein paar Worte wichtig, um schnell in Kontakt zu kommen." Während seines Aufenthalts führt der 23-Jährige einen Blog auf der Misereor-Homepage. „Ich möchte das Leben dort für andere erfahrbar machen." Danach will er seine Erlebnisse weitergeben und über seine Eindrücke berichten. „Mir ist es wichtig, Dinge zu hinterfragen, so wie das Thema mit der Kinderarbeit." Noch Fragen? Wer das Projekt unterstützen möchte: Spendenkonto von Misereor: 101010, Pax-Bank Aachen, BLZ: 37060193.
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